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4. Thüringer Wald-Weitfahrt

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Pilot Hajo Rackwitz erzählt:


Samstag, 12.01.2008


Endlich war es soweit, wir saßen im Auto auf dem Weg nach Suhl, 4. Thüringer Wald-Weitfahrt. Bei unserer ersten Teilnahme im letzten Jahr hatten wir den Überraschungsmoment noch auf unserer Seite. Doch nach unserem Abschneiden waren die Konkurrenten von uns gewarnt. Ein Jahr der Vorbereitung lag hinter uns, wir waren verhalten optimistisch. Mit der neuen Ballonhülle „Black Pearl“ und Verfolgerfahrzeug waren wir erheblich besser ausgerüstet als im Vorjahr.

Am Abend dann das Glühen, das wie im letzten Jahr wegen zu starken Windes leider nur mit den Brennern durchgeführt werden konnte. Umso erstaunlicher die rege Teilnahme der Besucher. Das Konzept ”Ballonfahrer zum Anfassen” ging auf!

Sonntag, 13.01.2008


Erster Wettkampftag. Um 4:30 Uhr raus aus den Federn zum Briefing. Gutes Wetter, langsame Fahrt nach Nordost wurde vorhergesagt. Wir hofften durch die Hebung der Luft am Thüringer Wald zumindest in der ersten Stunde eine etwas schnellere Fahrt erreichen zu können und starteten daher in Suhl. Die Tagesroutine stimmte noch nicht, daher waren wir die Letzten am Startplatz. In der Windstille konnten wir rechtzeitig aufrüsten. Die verlorene Zeit war bald eingeholt. Es waren noch fünf Minuten bis zum Start als ein technischer Defekt die Stromversorgung unterbrach. Dank Frank's handwerklichem Geschick war der Fehler bald behoben. Um keine Zeit auf die Konkurrenz zu verlieren startete ich, während Frank am Boden des Ballonkorbs hockte und schraubte, was das Zeug hielt. Zunächst waren wir noch einige Meter hinten, hatten aber schliesslich noch acht Stunden Fahrt vor uns. Die Fahrt nahm mit der Höhe langsam zu. Also Höhe halten und feinfühlig nach der schnellsten Strömung suchen. Dann am Hang ein kleines Quertal. Müsste doch wenigstens einen kleinen Düseneffekt erzeugen. Richtig, wir zogen davon. Die Anderen zu weit rechts um davon profitieren zu können. Immer noch in loser Formation ging es auf den Leipziger Luftraum zu. Langsam konnten wir den Vorsprung etwas aufbauen. Eine Stunde später hatten wir die unmittelbare Konkurrenz im Griff und beobachteten sie weiter. Sie war mittlerweile fast nur noch mit dem Fernglas zu sehen. Es ging zur Landung bei Brandenburg. Jetzt kam es darauf an. Wir wollten keinesfalls zu spät landen um damit aus der Wertung zu fallen, aber trotzdem keinen Meter verschenken. Geschafft, Bilderbuchlandung bei Wusterwitz. Mit dieser Gruppe hatten wir die Nase mit etwa 300 km knapp vorn. Unglaublich, drei Ballone landeten nach acht Stunden Fahrt innerhalb eines Kilometers!

Montag, 14.01.2008


Laut Vorhersage sollte es heute bis an die Ostseeküste bei Stralsund gehen. Wir entschieden uns für diesen Tag für einen Start in Alkersleben. Wir starteten unmittelbar bei Sonnenaufgang. Die Anderen folgten in rascher Folge. In etwa 1700 m Höhe ging es mit 50-60 km/h in Richtung Nordost. Blauer Himmel über uns, in Fahrthöhe eine schwache Inversion. Wir lagen in unserer Gruppe vorn und kämpften um jeden Meter. Noch in der Leipziger Kontrollzone erfuhren wir, dass es ca. 600 m tiefer erheblich schneller vorwärts ging. Also die Freigabe geholt und nichts wie runter. 75 km/h und die anderen Ballone blieben oben! Unser Vorsprung stieg. Glücklicherweise bekamen wir sogar eine Freigabe durch den Holzdorfer Luftraum, so dass wir keine Geschwindigkeit einbüßten. Aus dem Dunst tauchte die Cargolifterhalle auf. In etwa eineinhalb Stunden erreichten wir den polnischen Luftraum. Unsere Geschwindigkeit nahm langsam ab. Eine Stunde später hatten wir dann Gewissheit. Ein Konkurrent stieg vor der Stadt Gorzow ab, während wir noch 20 Minuten Fahrzeit bis Sonnenuntergang hatten. Doch wo landen? Der Boden war morastig und nass. Schließlich entschieden wir uns für ein abgeerntetes Maisfeld. Die Hülle blieb bis auf ein paar Erdspuren sauber, aber dafür lagen wir zwei Kilometer weit von der nächsten Straße entfernt. Unsere treuen Verfolger brauchten eine Stunde um uns hier zu finden. Wir alle durften zur Belohnung den Ballon per Hand aus dem Acker schleppen. Doch heute war niemand böse drum, wir waren doch mit einigem Abstand die weiteste Strecke gefahren!

Dienstag, 15.01.2008


Heute gab es Wetter für Erwachsene! Der Bodenwind zwang uns zu einem windgeschützten Startplatz. Als einziges Ballonteam entschieden wir uns für einen Startplatz in Erlau, da wir uns hier am ehesten ein Loch in der tiefen Staubewölkung erhofften. Nach einem pünktlichen Start schlichen wir zunächst mit zwei Kilometer Sicht den nächsten Hang hoch, waren jedoch fast augenblicklich über dem Stau! Ob die Konkurrenten auch so viel Glück hatten? Bereits in 1200 m Höhe lagen 80 km/h an. Kurz hinter uns tauchten die anderen Ballone auf. Die Fahrt führte uns mit höherer Geschwindigkeit über fast genau die selbe Strecke wie am Vortag. Eine Stunde vor der Landung waren immer noch fünf Ballone in Sichtweite. Wir lagen wiederum komfortabel vorn. Wir stiegen frühzeitig ab, um noch vor Sonnenuntergang geeignetes Gelände zur Landung zu finden. In Baumwipfelhöhe hatten wir immer noch 40 km/h und beschlossen auf einer Freifläche hinter einem Hügel zu landen. Auf der Rückfahrt erfuhren wir zwei Stunden später, dass wir nur drei Kilometer vorn liegen. Ist dies bereits der Sieg zum Deutschlandpokal?

Donnerstag, 17.01.2008


Das war der dritte Tag Richtung Polen. Mittlerweile wurde der Wettbewerb so heiß, dass wir für den Start einen regelrechten Countdown machten und vier Ballone quasi in der gleichen Sekunde abhoben. Auch dieser Tag war eine Wiederholung der Vortage. Wir fuhren auf dem gleichen Strich mit etwa 55 km/h, unser Ballon leicht in Führung. Heute half uns das Glück des Tüchtigen, weniger als 10 km/h; wir konnten sogar nach der stehenden Landung umsetzen, damit die Hülle auf Gras zu liegen kam.

Freitag, 18.01.2008


Der Tag der endgültigen Entscheidung!


Das Wetter sollte grenzwertig fahrbar sein. Hohe Windgeschwindigkeiten und ein später einsetzender Jetstream machten hohe Weiten in großer Höhe möglich. Wegen hoher Windgeschwindigkeiten wurde ein geschützter Start in Suhl empfohlen - mit dem Nachteil, dass wegen der tiefen Staubewölkung auf ein mögliches Wolkenloch gewartet werden musste. Wir entschieden uns für den Startplatz in Alkersleben. Nach einem recht sportliche Start mit lediglich zwei Helfern stiegen wir durch die lockere Bewölkung. Auf 3000 m Höhe kamen die Sauerstoffmasken zum Einsatz. Bis auf 6000 m Höhe war die Geschwindigkeit mit nur 60 bis 80 km/h enttäuschend. Auch die Richtung auf den Prager Luftraum war nicht sehr prickelnd. Wegen der hohen Temperaturen in der Höhe lief uns das Gas regelrecht fort. Dann endlich - 7000 m Höhe waren erreicht und die Geschwindigkeit stieg sprungartig auf 177 km/h. Die Fahrtrichtung schwang auch auf Süd-Südwest. Immer noch hatten wir fast den doppelten Gasverbrauch als an den Vortagen. Die tschechische Republik kratzten wir lediglich an. Auch hier keine Probleme mit der Freigabe. Wegen einiger Meldungen über heftige Turbulenzen in größerer Höhe beschlossen wir, nicht weiter zu steigen, obwohl wir noch gar nicht im Jetstream waren. Wir rechneten, dass wir etwa 4 Stunden in dieser Höhe bleiben konnten. Leider ließ die Geschwindigkeit nach, je weiter wir nach Süden kamen. Aus der anfänglich aufgelockerten Bewölkung war mittlerweile eine massive Staubewölkung an den Alpen geworden. Hinter dem Alpenkamm endete sie jedoch wie abgeschnitten, wir hatten etwa 80 km freie Bodensicht. Da weiter im Süden wieder eine solide tiefe Wolkenschicht lag, beschlossen wir, noch bei freier Bodensicht abzusteigen, obwohl das Gas noch für eine Weiterfahrt ausgereicht hätte. Von Zeltweg bis Graz fuhren wir in 3000 m Höhe immer noch mit 65 km/h. Als besonderen Abschluss wollten wir auf dem Grazer Flugplatz landen. Wir hatten sogar schon eine Freigabe dafür. Leider reichte die Geschwindigkeit im Grazer Becken dafür nicht. Wir landeten senkrecht an einem kleinen Bauernhof und waren überwältigt von der Gastfreundschaft der Familie, die uns bis zum Eintreffen der Verfolger überreich bewirtete.

Samstag, 19.01.2008


Wieder zurück in Suhl wurden wir als Gewinner des Deutschlandpokals und als Sieger bei der 4. Thüringer Wald- Weitfahrt geehrt! Die “jungen Wilden” hatten es wieder geschafft.